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Kletterkurs im Oberreintal

Alpinkurs Oberreintalhütte 23.07. - 30.07.2005

Vollgepackt
Mit den voll gepackten Rucksäcken geht es zur Hütte.
Foto: Robert Rurkowski

Am Samstag starteten wir um 5:00h aus Braunschweig Richtung Garmisch. Nach vielen Fahrtkilometern hörte es auch irgendwo vor Nürnberg endlich mal auf zu regnen und ließ ein wenig Hoffung aufkommen. Die vernichtete der Stau vor München sogleich wieder. Nach ca. 8 Std. Sitzens ging es dann vom Skistadion in Garmisch mit den voll gepackten Rucksäcken planmäßig um ca. 13h los Richtung Partnachklamm zum Aufstieg zur Hütte. An der Klamm angekommen teilte uns der Klammwart mit, dass die Klamm aufgrund des starken Regens in den letzten Tagen geschlossen sei. Also mussten wir einen Umweg über die Partnachalm nehmen, der uns eine volle Stunde kostete. Dem Weg weiter folgend bis zum Abzweig Bockhütte ging es im Regen weiter. Dann ging es die endlosen 45 (oder mehr) Serpentinen hinauf. Oben angekommen musste unbedingt die Dusche bemüht werden . . . warm ist was anderes. Danach gab's Suppe und Nudeln – nach dem Aufstieg ein Festmahl. Hans ist leider krank und hat als würdige Vertretung Olli engagiert, der uns nun bekocht.

Um 21:00h wurde die Besprechung für den nächsten Tag von Robert angesetzt. Das wir uns hier oben auf der Hütte in einer Welt befanden, war uns allen schon klar geworden. Als Robert allerdings bekannt gab, dass wir morgen um 8:00h starten würden, wurde uns erst klar, wie weit dies ging. Robert teilte jedem im Kurs ein Thema zu, über welches man am Ende des Kurses referieren sollte. Zur Auswahl gab es Wetter, Erste-Hilfe, Zustieg zur Route und Abstieg / Abseilen. Danach gab es eine Kurzeinweisung über die Geographie des Oberreintals mit Oberreintaldom, Bergeistturm, Schüsselkar, Unterer Schüsselkarturm, Scharnitzkar, Obere /Untere Zünderköpfe und Oberreintalturm. Nach den organisatorischen Angelegenheiten konnte man dann endlich geschafft ins Bett.

Klettern
Foto: Robert Rurkowski

Am Sonntagmorgen weckt uns das singende Murmeltier mit dem Tequila-Song . Nach dem Frühstück geht es vor die Hütte zum Material-Check. Heute übernimmt Robert diese Aufgabe. In Zukunft wird ihn immer einer aus dem Kurs durchführen. Bevor es richtig losgeht, müssen erstmal die grundsätzlichen Techniken am Klettergarten am/im Plattenschuß trainiert werden. Dann geht es los: Alles in den Rucksack und Aufstieg zur Nord-Ostkante am Unteren Schüsselkarturm. Wenn man gerade frisch aus dem Flachland kommt, ist der Aufstieg durch das Schrofengelände zum Einstieg gar nicht ohne. Robert steigt in der ersten Seilschaft vor und legt die Zwischensicherungen. Die zweite Seilschaft nutzt die gelegten Sicherungen und sammelt das Material ein. Jede dritte Seillänge bekommt Robert das Material zurück. Nach 6 SL kommen wir oben an und queren noch 2 SL zum Gipfel. Ein tolles Gefühl ! Das Oberreintal mit der Hütte unter uns, links das Scharnitzkar und rechts das Schüsselkar. Es geht die 2 SL zur Abseilpiste wieder zurück wo Robert uns die Einrichtung und den Gebrauch eines Fixseils zeigt. Vom Abseilring sind wir mit 3mal Abseilen und kurzem Abstieg wieder im Schüsselkar am Einstieg zurück. An der Hütte genießen wir die schon von gestern bekannte "Erfrischungs-Dusche" und machen uns nach dem Abendbrot mit Papier und Schreibzeug für die Theorie-Einheit bereit. - Oasruhan is' net' drin.

Nach der Besprechung der heutigen Route folgen Scharen von Symbolen und Skizzen zum Lesen und Erstellen von Routen. Jeder muss eine fiktive Route zeichnen – Robert bespricht mit uns jede einzelne der Skizzen und weist auf fehlende Informationen in der Route hin.

Topo
Topo der Fahradlkante.

Am Montag ist DER Klassiker des Oberreintals dran: Die Radl'kante.
Robert wechselt die Einteilung der Seilschaften durch. Gestern waren Michi und Birte bei ihm, heute Marco und Birte. Der Aufstieg zur Westseite des Obereintalturms ist relativ kurz und problemlos. Als wir am Einstieg ankommen stellen wir fest, dass der Fachübungsleiterlehrgang schneller war als wir. Zwei Seilschaften stehen schon vor uns am Einstieg. Robert nutzt die Zeit und steigt mit uns ins Thema Materialkunde ein. Nach einer Unterscheidung in Hart- und Weichware werden Material -eigenschaften, Anwendungsgebiete, richtige Anwendung, Anwendungsfehler und Pflege behandelt. Nachdem der FÜ-Lehrgang den Einstieg verlassen hat, steigen wir zu ersten Stand hoch. Die Radl'kante ist eine der Routen im Oberreintal deren Einstieg man nur schwer verfehlen kann – er ist ausgeschildert mit Verkehrsschild. Es folgen wundervolle 5 SL bei bestem Wetter. In der 6. SL wird von allen die Schlüsselstelle überwunden und wir machen Stand unter dem Radl'. Das Wetter hat sich stark verschlechtert und wir stehen nun in den Wolken. Mit der Aussicht auf das untere Oberreintal ist nun auch plötzlich unsere Orientierung weg. Zügig bringen wir die drei letzten SL hinter uns. Oben angekommen folgen 2 SL über den Gipfelgrat zur Abstiegsstelle in völligem Nebel. Die Seilkommandos lassen sich durch den dichten Nebel nur schwer verstehen und das drohende Gewitter lässt sich schon erahnen. Beim Abstieg in die Rinne zur Abseilpiste fängt es dann auch tatsächlich an zu regnen und das Gewitter erwischt uns. Robert führt uns zügig aber sicher zur Abseilpiste. Es gilt Safety-First. Die ersten 40m sind geschafft. Es regnet mittlerweile stärker und es bildet sich langsam ein kleines Rinnsal in der Rinne. Nach weiteren 40m treffen wir uns alle am Stand auf einem kleinen Absatz. Die Rinne hat sich in einen kleinen Bach verwandelt. Uns ist schon ein bisschen mulmig bei der Sache, aber Robert hat alles im Griff und macht die Abseilstellen klar. Wir beeilen uns zügig aber sicher nach unten zukommen. Die letzte SL wird dann etwas nass – auch eine Art sich die Dusche zu sparen - und wir sind am Schluss froh alle unten zu sein. Das Abendbrot schmeckt nach so einem Tag gleich doppelt so gut. Das liegt vor allem aber auch daran, dass Hans sich vorzüglich darauf versteht noch nie gekannte Variationen von Nudelgerichten zu kochen. Nach dem Essen geht’s es weiter mit Materialkunde. Obwohl die Theorie des Klettersports meist doch recht praxisnah ist, zeigt sich, dass auch hier Formeln ihren Platz gefunden haben. Und wer bisher der Meinung war, das die Psyche des Vorsteigers der Sturzfaktor war, der wird hier eines Besseren belehrt. Weiterhin wurde die allgemeine Seilführung und strategische Zwischensicherungen in z.B. Quergängen behandelt. Was bei heutigem Tag nicht fehlen durfte: Verhalten bei schlechtem Wetter.

Wasserfall
Eine Rinne hat sich in einen kleinen
Wasserfall verwandelt.
Foto: Robert Rurkowski

Der Dienstagmorgen beginnt mit den Worten : „Guten Morgen, Badewetter“. Daher gibt es nach dem Frühstück gleich die nächste Theorie-Einheit: Wetter. Wir lernen, dass es neben Klemmkeilen auch noch Hochdruckkeile gibt und das Okklusionsfronten nichts mit okkultem zutun haben. Gegen Mittag lässt der Regen etwas nach und wir gehen raus an den Klettergarten um das Legen von Keilen und Friends zu üben. Danach geht es zum Thema Standbau mit z.B. horizontaler und vertikaler Reihenschaltung. Am Schluss wird das Bauen eines Flaschenzugs gezeigt um evtl. den verletzten Partner bergen zu können. Nach so viel Theorie raucht der Kopf. Bei der abendlichen Besprechung der morgigen Tour kommt da schon der ein oder andere auf die Idee "am Zyklon Stand zu machen" oder "über den Fön abzuseilen".

Am Mittwoch haben wir wieder Glück mit dem Wetter.
Heute ist die "MilKa" am unteren Berggeistturm dran. Auch bekannt unter "Süd-Westkante" oder ausgeschrieben "Militärkante". Es warten 6 SL wunderbar fester Fels bei bestem Wetter auf uns. Die schwierigsten Stellen liegen im 4ten Grad. Genuss pur. Der Name ist allerdings Programm: In der gesamten Tour werden wir von unten immer wieder von im Landeanflug befindlichen Hubschraubern gestört, die im Plattenschuß unter uns landen.
Man merkt deutlich das heute die neu gelernten Sicherungsmethoden und Handgriffe schon gut sitzen. Es geht zügig voran. Heute waren wir schneller als der FÜ-Lehrgang am Einstieg. Dafür haben wir jetzt beim Abstieg durch die etwas bröckelige Rinne die von oben losgetretenen Steine im Nacken. Nachdem wir ja nun gerade die Theorie-Einheit Wetter hatten, können wir heute wunderbar beobachten wie sich tatsächlich gegen Nachmittag die ersten Wolken über den Gipfel bilden. Leider stimmt das weitere Wettergeschehen auch mit dem gestern gelernten überein: Ein Wärmegewitter folgt. Allerdings erwischt es uns heute nicht annähernd so wie an der Radlkante. Am Abend gibt es zum Einschlafen noch die Erste-Hilfe-Einheit, die vom Schock über Knochenbrüche bis zu Höhenkrankheiten reicht.

Der Fudschijama
Birte am Standplatz.
Foto: Robert Rurkowski

Heute, am Donnertag, soll es wieder zum Oberreintalturm zur "Alten Westwand" gehen. Da wir heute 11 SL genießen wollen, müssen wir pünktlich vom Murmeltier geweckt um 8 Uhr aufbrechen. Schwierige Stellen sind nur in der 6. und 9. SL mit IV zu finden. Als wir am Einstieg ankommen stellen wir fest, dass heute mal wieder der FÜ-Lehrgang schneller war. Als wir einsteigen können, sind neben uns noch zwei Jungs in der "Kalte Nummer" unterwegs. Die ersten beiden Seillängen verlaufen problemlos. Schade nur, dass wir uns auf der Westseite des Oberreintalturmes befinden, da uns dadurch erstmal die Sonne fehlt. Wir steigen wieder in zwei dreier Seilschaften. Nachdem wir die Schlüsselstelle in der 9. SL hinter uns haben scheint es weiter oben bei der ersten Seilschaft ziemlich brüchig zu werden. Immer wieder werden wir durch Rufe von oben gewarnt und es surrt an uns vorbei. Nach einer Mörser-Seillänge sind wir mit den Nerven fertig und treffen am Stand die Jungs aus der "Kalten Nummer". Zur Begrüßung bewerfen sie uns mit nem Schrauber, auch mal eine Abwechslung zu den Steinen. In der letzten Seillänge wird klar, woher die Route ihren Namen hat. Markus hat im Vorstieg mit einigen Tritten und Griffen zu kämpfen welche sich der Schwerkraft ergeben, als Bonus wird die SL auch noch clean abgesichert. Der Abstieg erfolgt wie schon bei der Radlkante - nur diesmal trocken. Zur Überprüfung des Gelernten und zur eigenen Bestätigung will Robert morgen, die Route am letzten Tag als Prüfungsroute ansetzen. Am Abend studieren wir dementsprechend eifrig den Zustieg die einzelnen Seillängen und den Abstieg der "Ostverschneidung", um unseren "polnischen Touristen" heile rauf und wieder runter zubringen.

Der Fudschijama
In einer Schneehöhle.
Foto: Robert Rurkowski

Als wir am Freitag morgen früh aufbrechen, geht es über den Plattenschuß am Klettergarten vorbei zum Aufstieg über das Schrofen-Gelände rechts haltend, so dass das Schüsselkar links liegen bleibt. es geht weiter durch Gras- und Latschengelände unter der Nordwand des Unteren Schüsselkarturmes vorbei ins Scharnitzkar. Dort geht es fast das gesamt Kar hinauf bis man fast am oberen Schneefeld ankommt. Den Einstieg sehen wir erst, als wir schon fast vorbei sind. Nachdem das Depot eingerichtet, die Seile geklärt sind und das Material verteilt ist geht es los. Die Route ist 11 SL lang und durchgehend IV und mit 4-5 SL IV+ versehen. Heute haben wir im Gegensatz zur "Alten Westwand" traumhaften Fels. Die Route ist eine super Abschlußtour. Wir werden den ganzen Tag mit Sonne verwöhnt. Das Klettern in „Eigenregie“ verläuft (auch wenn nicht jeder Vorstieg am nächsten Standplatz endet) reibungslos. Marco würde sagen: „Wir sind geklettert wie die Großen!“ Am Abend stehen wir froh und geschafft unter der kalten Dusche um unsere roten Rücken zu kühlen. Der "polnische Tourist" ist zufrieden.

Insgesamt eine wunderschöne Woche, die es zu wiederholen gilt. Und nicht nur dies, wenn man schon da ist, könnte man ja auch mal in die Dolomiten schauen und wenn man da schon ist, dann...

Markus und Michael Kintscher

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